Politik,  Wirtschaft

Geschäftesterben – wir alle tragen Verantwortung!

Mit Liebeskind Berlin schließt in Kürze ein weiteres Geschäftslokal in der Klagenfurter Innenstadt. Seit Jahren sehen sich Klagenfurts Innenstadthändler mit einem gnadenlosen Überlebenskampf konfrontiert. Sicherlich – innovative Impulse die über das Aufhängen bunter Regenschirme entlang des Alten Platzes hinausgehen, hat man in Klagenfurt bisher vergeblich gesucht. Trotzdem ist es zu einfach, alle Schuld den Händlern oder der Stadtverwaltung zuzuschieben.

Liebeskind Berlin mit seinem Store in der Klagenfurter Kramergasse ist ein Paradebeispiel. Neben dem Store in der Kramergasse, werden Liebeskind Taschen auch in einem ganz in der Nähe liegenden Einkaufscenter verkauft. In einer Zeit, in der niemand Zeit hat oder sich zumindest niemand Zeit nehmen möchte, ist der Weg zum Einkaufszentrum der favorisierte. Die Gründe liegen auf der Hand – neben einer kundenfeindlichen Parkpolitik der Klagenfurter Stadtverwaltung, spricht auch die lokale Zentrierung sämtlicher Angebote im ersten Moment ganz klar für das Einkaufszentrum.

Fehlerhafte (Park-)Politik schadet dem Handel und dem Stadtimage

In Puncto Parkpolitik kann die Klagenfurter Stadtverwaltung jedenfalls die Verantwortung nicht abwälzen. In Zeiten nie dagewesenen Umweltbewusstseins, ist der Verantwortung allein durch das Ausrufen fast schon lächerlich kleiner Fahrverbotszonen entlang einer Seite des Neuen Platzes sowie das fieberhafte Ausstellen von Strafzetteln bei weitem nicht Genüge getan! Es ist das Abbild einer „irgendwie ist gut genug“-Politik. Damit schadet man nicht nur den Jahrzehnte ansässigen Innenstadthändlern, man schadet dem Image der Stadt an sich. Wer Potentialkunden aus der Stadt drängt, ohne interessante Alternativen wie Parkhäuser oder kostenlosen Parkflächen außerhalb des Stadtgebiets mit Shuttle-Service zu schaffen, darf sich nicht über ausbleibende Frequenz beschweren und die Verantwortung dafür gar Einkaufszentren zuschieben. Bisher scheint sich niemand die Frage gestellt zu haben, warum Kunden auf die nicht von der Hand zu weisenden Annehmlichkeiten eines Einkaufszentrums bewusst verzichten würden, um stattdessen lieber den Weg in die Innenstadt anzutreten. Bunte Regenschirme, angemalte Sitzbänke oder verklebte Auslagen sind jedenfalls keine nachhaltige Antwort auf diese Frage.

(Achtsamer) Einkauf kann Herzenssache sein

Eine Bewusstseinsbildung in Hinblick auf die einmalige Schönheit und Vielfalt unserer Landeshauptstadt könnte es dagegen sein. Und da kommt jeder einzelne Konsument ins Spiel. Freilich ist es leicht, alle Schuld der Stadtverwaltung zuzuweisen. Die Entscheidung Konsum im Eiltempo im Einkaufszentrum abzuhandeln, anstatt sich nach einem stressigen Arbeitstag mit etwas Bewegung an der frischen Luft einen achtsamen Einkauf in der Innenstadt zu gönnen und dabei gleich auch noch die vielen schönen Flecken Klagenfurts, die schmucken Kaffeehäuser mit sonnigen Gastgärten, die traditionellen Verkaufsläden mit teils besonders lang gedienten Mitarbeiterinnen ganz bewusst wahrzunehmen, die trägt aber jeder selbst. Natürlich ist es bequem, das Paket vor die Haustüre geliefert zu bekommen. Es kann aber besonders nach einem abgestumpften Arbeitstag sehr viel bereichernder sein, das Buch in der einzigartig entschleunigenden Atmosphäre einer urigen Buchhandlung auszuwählen. Damit steigt man selbst nicht nur aus dem Hamsterrad des stressenden Alltags, sondern unterstützt zudem den heimischen Handel, der immerhin Arbeitsplätze schafft. Und die Möglichkeit, beim Rückweg zum Auto auf eine lange nicht mehr getroffene Bekannte oder Freundin zu treffen, ist beim Einsameln des Paketes vor der Wohnungstüre auch verschwindend gering. Länger und wahrscheinlich positiver in Erinnerung, bleibt uns jedenfalls die Begegnung mit anschließendem Kaffee am Alten Platz.

Unter den Kommentaren zur Meldung der Schließung des Stores von Liebeskind Berlin liest man auch, dass viele Potentialkunden noch nie von dem Laden gehört haben. Und Liebeskind Berlin stellt damit wahrlich keinen Einzelfall dar. Es ist das Ergebnis fehlender Imagebildung einer Landeshauptstadt. Womit sich der Kreis zur „irgendwie ist gut genug“-Einstellung wieder schließt.

Als gebürtige Klagenfurterin aber auch als Unternehmerin ist es mir unverständlich, wie man als Stadtverwaltung so plan- und tatenlos dem Ladensterben in der Klagenfurter Innenstadt seinen Lauf lassen kann.

Als Konsumentin fühle ich mich in der Verantwortung, das noch vorhandene Angebot nach Bedarf und Möglichkeit bewusst zu nutzen, denn ich trage durch meine Entscheidung, online, im Einkaufszentrum oder im Innenstadtlokal zu kaufen, ebenso eine wichtige Verantwortung!

Wie ist Deine Meinung?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.